Paris ist so schön, dass die Reisenden oft vom Schein der Touristen-Hotspots geblendet werden. Wenn man etwas genauer hinschaut, entdeckt man eine ganz andere Geschichte dieser Stadt. Die Geschichte von Personen, in deren Alltag sich alles um Kunst und Kreativität dreht. Wenn Sie einen Blick hinter die Fassaden einiger Pariser Läden wagen, werden Sie den wahren Puls der Stadt erleben.
Librairie des Archives

Von Hüten zu Büchern

Als Stefan Perrier 2002 dieses Lokal rennovierte, um hier einen Buchladen zu eröffnen, entdeckte er den Schriftzug einer Hutfabrik aus den 20ern. „Ich beschloss, ihn zu behalten, und jetzt wird er jeden Tag mindestens 50 mal fotografiert!“, erzählt er. Man braucht nicht lange, um Perriers Leidenschaft für Kunst und Design zu erkennen. „Ich habe den Kunstbuchladen geschaffen, von dem ich damals als Buchsammler geträumt hatte“, erzählt er stolz. Als Sohn zweier Buchhändler - „Ich kam zwischen Büchern zur Welt“ - beschloss er, auf der anderen Seite des Flusses sein eigenes Geschäft aufzubauen. Sein Buchladen liegt im Stadtteil Marais im nördlich der Seine gelegenen Teil von Paris - „Rive Droite“ genannt - zwischen dem Centre Pompidou und dem Picasso-Museum. Die Ladenfläche ist zwar nicht groß, doch die 3,6 Meter hohen Regale sind vollgestopft mit vergriffenen und seltenen Werken zum Thema Kunst, Design, Mode und Schmuck, sowie sorgfältig ausgewählten Neuerscheinungen. Im Laufe von 15 Jahren errang Stefan Perriers Buchladen internationale Bekanntheit und zieht nun Modedesigner, Galeristen, Sammler und Kunstkenner an. „Ich möchte mein Wissen und meinen Geschmack teilen, aber auch von meinen Kunden lernen und jeden Tag neue Künstler und Designer entdecken“, so Perrier.
Alain Maître Barbier

Die Kunst des Rasierens

Stil ist etwas, das man unwillkürlich spürt. Und genau das passiert, wenn man Alains Barbershop im Stadtteil Marais betritt. Dieser modische Mann in seinen 60ern ist der älteste und bekannteste Friseurmeister in Paris. In den vergangenen 20 Jahren haben seine Klingen die Wangen von Männern der verschiedensten Gesellschaftsschichten geglättet. Er ist solch ein geschätzter Künstler, dass er jedem, der bei ihm ein Rasiermesser kauft, kostenlosen „Rasierunterricht“ gibt. Sein Salon ist ein Schrein der Rasierkunst, denn Alain verfügt über eine Sammlung der verschiedensten Objekte rund um das Rasieren: Rasiermesser aus aller Welt, Rasierwerkzeuge verschiedenster Arten und Gravuren, die von den Höhen und Tiefen seines Berufs erzählen. Kein Wunder, dass Alain Maître Barbier auf der Liste der „ungewöhnlichen Museen von Paris“ erscheint.
Galerie d'Art Jacqueline Lemoine
Photo credit Sebastian Erras

Das Credo heißt Farbe

„Als ich dieses Lokal zum ersten Mal sah, war es Liebe auf den ersten Blick. Ich wusste sofort: Entweder hier oder nirgendwo“, erzählt Jacqueline Lemoine von dem Tag, an dem sie ihre heutige Kunstgalerie auf der Ile Saint Louis in der Nähe von Notre Dame zum ersten Mal betrat. Das war im Jahre 1981, als Jacqueline nach Räumlichkeiten suchte, in denen sie die Gemälde ihres Ehemanns Nghiem-Phu Hai ausstellen könnte. Als Erstes fällt einem der Löwe über der Tür auf. „Dieser „lion d'or“ (goldener Löwe) geht auf eine Tradition aus dem 17. Jahrhundert zurück, nach der dieser den Reisenden signalisierte, dass sie an diesem Ort übernachten und ausruhen konnten“, erklärt Jacqueline. Beim Betreten der Galerie erfahren Sie eine ganz besondere Art der Gastfreundlichkeit, nämlich die wunderschöner Farben. „Ich bin sehr sensibel für Farben“, so Jacqueline. Neben den Werken ihres Ehemanns stellt sie viele weitere Künstler aus Frankreich, Japan und Vietnam aus.
Les Ceramics du Marais
Photo credit Sebastian Erras

Die Porzellan-Menagerie

Hinter der dunkelblauen Holzfassade von Céramiques du Marais verbringt Dorothée ihren Arbeitstag in ihrer Schürze und mit ihrem Hund Dharma zu ihren Füßen. „Sie ist unser Ladenmaskottchen. Ihr kann niemand widerstehen - sie ist eine super Verkäuferin!“, scherzt Dorothée. Die Regale und Vitrinen sind gefüllt mit kleinen Keramiktierchen, eine ihrer Spezialitäten. Sie ist Expertin der Keramik, aber auch mit Terracotta, Emaille und Glas ist sie bestens vertraut. Neben ihren Tierfiguren bietet Dorothée Arbeiten von etwa 10 internationalen Künstlern an. „Alle Stücke sind außergewöhnlich und einzigartig. Sie sind sonst nirgendwo zu finden“, sagt sie. Außerdem erweckt Dorothée beschädigtes und zerbrochenes Porzellan als Restauratorin zu neuem Leben. Sie eröffnete ihren Laden im Jahr 2011 in Village Saint Paul, einem Viertel, das von Kunst, Antiquitäten und Design geprägt ist. Dorothée hat bereits Anhänger auf internationaler Ebene: Zu ihren Kunden zählt auch Scarlett Johansson.
Huygens
Photo credit Sebastian Erras

Do-it-yourself-Cremes

Jeder hat ganz einzigartige Haut, also sollten auch die Kosmetikartikel einzigartig sein. „Wir gehen auf die individuellen Bedürfnisse unserer Kunden ein“, sagt Daan. In dem Laden, den er vor drei Jahren gemeinsam mit Sébastien in Marais eröffnete, gibt es sogar ein kleines Labor, in dem ihre Kunden wie in einer alten Werkstatt ihre ganz eigenen Mischungen aus Pflanzenextrakten zusammenstellen können. Vielleicht hatte auch der Chirgurg, der im Jahre 1600 in diesem Lokal wohnte, sein eigenes Labor, wer weiß. Daan und Sébastien sind begeistert von der heilenden Wirkung von Pflanzen, weshalb bei Huygens nur Naturprodukte angeboten werden. Die Leute lieben ihre Gesichtspeelings und Blumenwasser. „Das Wohlbefinden steht an erster Stelle. Darauf richten wir unsere Produkte und unseren Service aus“, erklärt Daan. Auch viele bekannte Persönlichkeiten vertrauen bei ihrer Schönheitspflege auf Huygens. „Unsere Produkte sind nur hier erhältlich“, so Daan weiter. „Unsere Einrichtung erfreut sich bei den Parisern großer Beliebtheit.“
Fish La Boissonerie

Trinken wie ein Fisch

Ein wunderschönes Mosaik aus Muscheln und Fischen begrüßt Sie am Eingang von „Fish La Boissonerie“, dem Ort in Paris, an dem Sie feinsten Fisch und die größte Auswahl an Weinen genießen können. Im Jahre 1905 befand sich in diesem Lokal ein Fischhändler, auf Französisch „Poissonerie“. Als Drew Harré das Lokal zusammen mit seinem Geschäftspartner Juan Sánchez kauften, tauschten Sie das „P“ gegen ein „B“ aus und schufen so den neuen Namen „Boissonerie“ - ein Wortspiel aus „Boisson“ (Getränk) und „Poisson“ (Fisch). Nach der Eröffnung 1999 wurde noch kein Fisch serviert, denn sie begannen ihr Geschäft zunächst als Weinbar. Vor nicht allzu langer Zeit machten sie aus ihrer Weinbar eine Bar mit gehobener Küche „mit einfach köstlichem Essen und einer gigantischen Weinkarte mit über 200 französischen Weinen“, erzählt Drew. Der neue Küchenchef Valentin Vasser will die Liebe der beiden Inhaber für gutes Essen auf ein neues Level bringen.
Hotel du Petit Moulin

Eine Inszenierung voller Überraschungen

Der erste Anblick des Hotel du Petit Moulin ist bereits eine Überraschung. „Manche Leute lassen sich von dem Bäckerei-Schriftzug in die Irre führen und sind dann ganz verwundert, wenn sie hereinkommen“, erzählt Vanessa Jacquiot, Sales und Marketing Managerin des Hotels, das 2005 in einem historischen Gebäude aus dem 17. Jahrhundert eröffnet wurde. Genau dort, wo sich früher die erste Bäckerei von Paris befand. „Hier kaufte Victor Hugo sein Baguette“, erzählt sie weiter. Doch im Inneren setzen sich die Überraschungen fort. „Bei der Restaurierung wurden die ungewöhnlichen Perspektiven und das labyrinthartige Layout erhalten“, erklärt Vanessa. Die Innenräume wurden von Modedesigner Christian Lacroix gestaltet, der 16 verschiedene Zimmer und eine Junior Suite einrichtete, von denen jedes eine ganz eigene Geschichte über den Stadtteil Marais erzählt, in dem das Hotel liegt. Kein Zimmer gleicht dem anderen: von prunkvoll und verwegen (ein Zimmer hat eine verspiegelte Decke) bis antik und rustikal, während der Frühstücksraum im Stile eines alten Café de Paris gestaltet ist. „Dank des theatralischen Designs wartet hinter jeder Ecke eine weitere Überraschung“, so Vanessa.
Le Bonhomme de Bois
Photo credit Sebastian Erras

Traumzimmer eines jeden Kindes

Wenn Sie das Spielzimmer, von dem Sie als Kind geträumt haben, im wahren Leben wiedersehen wollen, dann gehen Sie einfach zu Bohomme De Bois in der Nähe des Place de la Bastille. Hinter der Fassade, die in weihnachtlichem Grün und Rot gestaltet ist, erwartet Sie ein Paradies voller traditioneller Spielsachen. „Es ist einfach toll, wenn Kinder völlig verzaubert vor unseren Schaufenstern stehen bleiben. Aber wahrscheinlich ist es weniger toll für die Eltern, die in den Laden gezogen werden“, scherzt Yann Bilhaud. Hier entdeckt man Spielsachen, die man in den großen Handelsketten nicht findet. Yann ist ein besonderer Fan des „Hochet skwish“, einer Holzrassel in Form eines Atoms, die alle Babys unglaublich gern anfassen, herumschleudern und - wie sollte es auch anders sein - in den Mund nehmen.
L’International Records
Photo credit Sebastian Erras

Sieg für die Schallplatte

„Es gab einmal ein Konzert hier im Laden. Die Band spielte im hinteren Teil, der Laden war brechend voll und draußen standen sogar noch mehr Leute mit ihren Schirmen im Regen. Das hatte etwas Magisches“, schwelgt Dave Kouliche in seinen Erinnerungen. Momente wie dieser machen sein Geschäft zu dem, was es ist. „Ich bin stolz darauf, dass sich mein Laden zu einem Treffpunkt für Künstler entwickelt hat, an dem schon viele neue Projekte ins Leben gerufen wurden“, erzählt er. Dave eröffnete seinen Laden vor vier Jahren gemeinsam mit einem Freund und in Zusammenarbeit mit der Bar L'International, die im Viertel Ménilmontant-Oberkampf direkt gegenüber liegt. Er verkauft hauptsächlich Schallplatten aller Genres: Jazz, Klassik, Techno, Hiphop, Disco und Weltmusik. „Hier findet man alles von Led Zeppelin über Michael Jackson bis hin zu Daft Punk, aber auch kleinere Labels und Eigenproduktionen“, erklärt Dave. In seinem Laden herrscht eine unglaublich coole Atmosphäre. Als Beweis dafür kam vor Kurzem ein Fotograf in den Laden und sagte, er müsse hier unbedingt ein Shooting machen. Er bekam Daves Genehmigung und kam mit dem Modell wieder zurück: Vincent Cassel.
La Galcante
Photo credit Sebastian Erras

Zeitmaschine aus Papier

Alles, was es im späten 18. Jahrhundert in die Nachrichten geschafft hat, können Sie bei „La Galcante“ nachlesen. In einer Sackgasse in der Nähe des Louvre gelegen ist dieser Laden eine wahre Zeitmaschine. Er birgt 8 Mio. Ausgaben von Zeitungen, Zeitschriften, Flugblättern und Katalogen aus der Zeit des alten Regimes bis heute. Nur 10% dieser Schätze findet man im Laden vor, der Rest wird in einem 1.200 qm großen Lager außerhalb von Paris aufbewahrt. Trotzdem ist La Galcante (eine Fusion aus „galerie“ (Galerie) und „brocante“ (Antiquitätenladen oder auch Trödelmarkt)) ein wahres Papierlabyrinth: Ein großer Raum mit Leitern, um die hohen Regale zu erreichen, und Tischen vollgepackt mit Mappen - und das alles eingehüllt in den Duft alten Papiers. In den Anfängen im Jahre 1975 wurden hier nur ein paar Nachbildungen von Zeitungen verkauft. Jetzt finden Sie dort die Zeitung von dem Tag, an dem Sie geboren wurden, oder von Tagen wichtiger geschichtlicher Ereignisse. Es gibt jedoch auch einige Werke, die nicht zum Verkauf stehen, wie Emile Zolas berühmter Brief mit dem Titel „J’accuse“.
Clair de Reve

Die Traumfabrik

Von Hand gefertigte Marionetten, mechanische Spielzeuge und Spieluhren werden immer seltener. Clair de Reve ist in Paris der letzte Laden, in dem man sie noch findet. „Die Schaffung einzigartiger Werke ermöglicht es vielen Künstlern, ihre kreative Tätigkeit fortzuführen“, erzählt uns Gilles stolz. Beim Betreten seiner kleinen Werkstatt auf der Ile Saint Louis reist man in eine Kindertraumwelt. An der Decke hängen an Drähten und Fäden Helden und Prinzessinnen, bereit zum Leben zu erwachen. Ein venezianischer Miniaturkarneval springt aus einem Kästchen. Eine Sammlung kunstvoller Armbanduhren tickt in einer Ecke. „In Handwerksläden erlebt man das französische „Savoir Faire“, das weltweit so sehr geschätzt wird“, so Gilles. Er eröffnete seinen Laden 1991 in einem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert und ist fest entschlossen, ihn niemals aufzugeben. „In meinen Laden stecke ich mein ganzes Herz“, sagt er.
La Pharmacie
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Medizin für die Seele

Eine blaue Fassade war im Paris der Jahrhundertwende für Apotheker vorgesehen. Hier kann man in den Regalen und Vitrinen immer noch die alten Keramikgefäße für Arzneimittel bewundern. Doch dazwischen findet man Weinflaschen, Kelche und Teekannen. All diese Details sorgen für eine ganz besondere Atmosphäre im Restaurant „La Pharmacie“, das von Küchenchef Christophe Duparay geführt wird. Manchmal gibt es keine bessere Medizin für die Seele als einen guten Wein und ein fein zubereitetes Gericht. Beides findet man in diesem Restaurant im Stadtteil République. „Wir bieten traditionelle Rezepte mit frischen Zutaten der Saison, die wir in unserer offenen Küche zubereiten“, erklärt Christophe. „Und wir bieten Weine kleinerer Winzereien an.“ Das ist Medizin, die jeder gern einnimmt.
 
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Video credit Pablo Apiolazza

Deyrolle
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Die letzte Wunderkammer

Ein paar ausgestopfte Otter beobachten das rege Treiben in den Pariser Straßen durch die Fenster von Deyrolle, als kämen sie aus einer anderen Zeit. Diese Gesellschaft für Tierpräparation und Insektenkunde macht tatsächlich den Anschein, als sei sie im 19. Jahrhundert, der Glanzzeit der Naturforscher und Abenteurer, eingefroren. Sie erinnert an eine alte Wunderkammer, einem Ort, an dem man vor dem Zeitalter von Fernsehen und Internet die Wunder aus weit entfernten Ländern betrachten konnte. Seit ihrer Gründung im Jahre 1831 ist die Society of Natural History Deyrolle eine wichtige pädagogische Einrichtung und ein Ort der Inspiration für Künstler und Sammler. Die pädagogischen Abbildungen zur Zoologie und Anatomie hingen an den Wänden zahlreicher Schulen Frankreichs. 2008 gab es bei Deyrolle einen großen Brand, durch den 90% der Sammlung zerstört wurde. Die überwältigenden Hilfsmaßnahmen durch Privatpersonen und Unternehmen machten deutlich, dass Paris diese Einrichtung nicht verlieren wollte. Einige Künstler schlossen sich zusammen und organisierten eine Auktion, um für den Wiederaufbau der Sammlung zu spenden. Heute organisiert Deyrolle Ausstellungen, die die Beziehung zwischen Kunst und Natur thematisieren (u. a. mit Künstlern wie Dalí, Breton, Hirst oder Huang Yong Ping). Die pädagogischen Veröffentlichungen der Gesellschaft unter dem Titel „Deyrolle pour l’Avenir“ tragen dazu bei, die Liebe zur Natur und Umwelt unter den jüngeren Generationen am Leben zu halten.
Au Petit Versailles du Marais

Königlicher Palast der Backkunst

Die französische Grandeur findet man in Paris im Überfluss, selbst an so einem alltäglichen Ort wie einer Bäckerei und Konditorei. Au Petit Versailles du Marais ähnelt am ehesten einem kleinen königlichen Palast. Zu beiden Seiten des Eingangs wird man von Fresken mit bäuerlichen Motiven begrüßt. Im Inneren, im Teeraum und auf den Terrassen ist man von glänzenden Spiegeln umgeben, die an den Spiegelsaal von Schloss Versailles erinnern. Glasschalen und Regale voller Süßigkeiten und frischem Brot lassen einem beim bloßen Anblick das Wasser im Munde zusammen laufen, insbesondere da sie durch ihre Spiegelbilder vervielfacht werden. Aber vergessen Sie nicht, Ihren Blick zur Decke zu heben. Das Licht der prachtvollen Kristallkronleuchter wird an einer Decke aus Hinterglasbildern reflektiert. Diese auf 1835 zurückgehende Maltechnik wurde in der Bäckerei von Maler und Dekorateur Charles Anselm im Jahre 1860 angewendet, dem Eröffnungsjahr der Bäckerei.
Cine Images

Das Paradies für Kinoliebhaber

„Am besten gefällt mir an meiner Arbeit hier, dass es sich anfühlt, als würde ich den Leuten Träume verkaufen“, sagt Alexandre Boyer, der die älteste Galerie Europas für Poster und Fotos der Geschichte des Kinos führt. „Ich liebe Filme und ich liebe Poster: Schon als Kind träumte ich davon, an einem solchen Ort zu arbeiten“, erzählt er. Die weinrote Fassade stammt aus dem 19. Jahrhundert, als die Galerie eröffnet wurde. Erst 1976 schwenkte Jean-Louis Capitaine seinen Fokus mit der Unterstützung von Regisseur Louis Malle auf die Zelluloidwelt. „Wir sind die führenden Spezialisten für französische Stummfilme“, erklärt Alexandre. Viele große Namen der Filmgeschichte gehören inzwischen zu den treuen Kunden von Cine Images, wie unter anderen Martin Scorsese, Steven Soderbergh, Spike Lee und Nicole Kidman.
Sennelier
Photo credit Sebastian Erras

Handwerkszeug der Maler

Sie suchen schwarze Federn für Handmalerei? Blattgold für Vergoldungen? Einen Motivsucher für die Landschaftsmalerei („Oeil de vieux“)? Eine Pipette zum Sprühen von Farben („Soufflé au cul“)? Das alles finden Sie an diesem einen Ort: Sennelier, einer der ältesten Läden für Kunstbedarf in Paris. Hinter der typischen grünen Fassade verbirgt sich ein Schrein der Kunstgeschichte und des Kunstbedarfs. Die ursprünglichen Eichenregale sind immer noch vorhanden und vollgepackt mit den verschiedensten Artikeln, von Pinzetten für japanische Papiertheaterfiguren bis hin zu Kästen mit bis zu 124 Pastellkreiden. Im Jahre 1887 eröffnete Gustave Sennelier dieses Geschäft im Stadtviertel Quai de Voltaire, das damals von Künstlern wimmelte. Cézanne und Chaim Soutine kauften hier ihre Ölfarben; Picasso kam hierher für die Ölpastellfarben, die Sennelier häufig selbst herstellte. Sonia Delaunay bestellte hier spezielle, in Marmeladengläsern abgefüllte Farbmischungen. Im Jahre 1936 eröffnete Sennelier eine Zweigstelle in dem damals aufstrebenden Künstlerviertel Montparnasse und eine weitere in Denfert Rochereau. Seit den 60er-Jahren vertreibt Sennelier seine Farben auch international, insbesondere in den Vereinigten Staaten. „Wir wollen unsere Handwerkstradition erhalten und mit den Neuentwicklungen Schritt halten“, erklärt Sophie Sennelier, die derzeitige Managerin. „Unser Logo ist ein fliegender Mann. Es ist an einen Flugversuch angelehnt, der hier in Quai de Voltaire in den 20er-Jahren unternommen wurde: Der Mut dieses Mannes verkörpert den Geist unseres Unternehmens“, sagt sie.
Julien Aurouze and Co
Photo credit Sebastian Erras

„Ratatouille“ im echten Leben

Falls Sie beim Anblick von Ratten ohnmächtig werden, betreten Sie diesen Laden auf eigenes Risiko. Dieser Ort wimmelt geradezu von ausgestopften Ratten, angefangen bei der makabren Aufreihung von Ratten, die im Schaufenster an Mäusefallen hängen. Dieses verwunderliche Schaufensterelement gibt es bereits seit 1872 und Julien und Cécile, die Ladenbesitzer in der vierten Generation, wollen das nicht ändern. „Wir erhalten ständig Anrufe von den Medien, die mit uns über Schädlinge sprechen wollen, und unser Schaufenster wird jeden Tag tausende Male von Touristen fotografiert“, erzählen sie. „Dieser Laden steht für Familiengeschichte und wir haben die Freude, sie zu erhalten.“ Als Spezialisten für Pestizide und Fallen (einschließlich einer selbst erfundenen Falle) spielt der Laden sogar in Pixars „Ratatouille“ eine Rolle. In einer Szene zeigt der Vater der Ratte Remy, die die Hauptrolle spielt, dieses Schaufenster als Warnung, sich von Menschen fernzuhalten. Wenn Sie mehr zu diesem Thema erfahren möchten, werfen Sie doch einen Blick in das Buch „A Rat in Paris“, das Aurouze editiert hat.
Paris Jazz Corner
Photo credit Sebastian Erras

Keine falschen Töne

Wenn Jazz eine Farbe hätte, dann wäre sie wahrscheinlich Blau: eine Farbe der Konzentration, Anspannung und mit einer Note Schwermut. Vielleicht ist das der Grund, warum Paris Jazz Corner, der Bannerträger für Jazz-Liebhaber in Paris, in einem kräftigen Blau gestrichen ist. Er liegt direkt neben der Arena von Lutetia, den römischen Überresten im Rive Gauche, dem Stadtteil südlich der Seine. Zeichnungen von Jazz-Idolen und eine Reihe von Schallplatten in den Schaufenstern locken Jazz-Fans in den Laden. Das Innere ist vollgepackt mit neuen und älteren Schallplatten, CDs, Büchern und Flyern - eine Welt voller Musik. Der Mitarbeiter des Ladens dient sowohl Neulingen als auch eingeschweißten Liebhabern gern mit Empfehlungen. Durch die unbeschwerte Atmosphäre im Laden und eine umfangreiche Website wurde dieser zu einem Schmuckstück der weltweiten Jazz-Community.
Patisserie Boulangerie Boris
Photo credit Sebastian Erras

Das Mekka des „petit choux“

Auch wenn Boris Lumé diese Bäckerei und Konditorei erst 2013, also vor drei Jahren, übernommen hat, kennt er dennoch ihre jahrhundertealte Geschichte. Als Teil der prachtvollen Dekoration der Ladenfront sieht man eine Abbildung der Moulin de la Galette, einer alten Windmühle, die das Symbol des Stadtteils Montmartre ist. Der „Tanz im Moulin de la Galette“ von Renoir ist eines der bekanntesten Werke des Impressionismus, eine Bewegung, deren Künstler den Montmartre im späten 19. Jahrhundert als Freiluftstudio nutzten. Obwohl die Patisserie Boulangerie Boris auf der Liste historischer Bauwerke Frankreichs steht, werden hier noch heute Tag für Tag kleine Meisterwerke gebacken: Ganz besonders beliebt ist das „petit choux“, ein mit Schlagsahne gefülltes Gebäck aus Blätterteig. Es heißt, auch Meryl Streep wurde zum Fan dieser Konditorei, als sie hier eine Szene des Films „Julie & Julia“ drehte.
Charvin
Photo credit Sebastian Erras

Lokale Farben für lokale Künstler

Ein Teil des legendären Paris ist immer noch lebendig - und zwar der voller Künstler, die mit ihren Strohhüten und Staffeleien unter freiem Himmel malen. Die Farbfabrik Charvin - die einzige in Paris, die Künstlerfarben herstellt - ist das lebende Beispiel eines Ladens der schönen Künste des 19. Jahrhunderts. „Wir befinden uns in einzigartiger Lage am Ufer des Flusses im Künstlerviertel Saint Germain“, erklärt Laurence Charvin, die Gründerin des Ladens. Um die Ecke gibt es zahlreiche Galerien und Kunstausstellungen, sodass Chervin sicher sein kann, dass die Künstler auf der Suche nach Tempera- und Wasserfarben in Holzschatullen, beweglichen Holzpuppen für das Zeichnen von menschlichen Figuren oder Rahmen und Paletten ihren Weg in seinen Laden finden. Dieser Laden ist zudem das Aushängeschild der Marke Charvin, die in ganz Frankreich vertrieben wird.
Parfait Elève de Pouyanne
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Kleiderärzte

„Oft reinigen wir die Taufkleider und auch die Hochzeitskleider unserer Kunden“, sagt Nathalie, um die Treue der langjährigen Kunden ihrer Textilreinigung zu verdeutlichen. Der luxuriöse goldene Schriftzug auf schwarzem Hintergrund an der Ladenfassade spiegelt sein Prestige wider. Nathalies Urgroßvater, Louis Pouyanne, eröffnete den Laden im Jahr 1903. Er reinigte und presste die Kleidung seiner Nachbarn am Boulevard Haussmann, darunter auch Opernkleider und -anzüge. Ihre Arbeit ist so berühmt, dass sie sogar mit der Reinigung historischer Gewänder für Museen und Ausstellungen betraut werden. „Egal wie alt, wir können jedem Kleidungsstück neue Frische und Glanz verleihen“, so Nathalie. Der Slogan dieses Ladens heißt „Kleiderärzte“. Die Innenräume haben sich über die Zeit nicht verändert: Drei große Holztische und Kleidung wohin das Auge reicht. Andere Textilreinigungen könnten sich hier an Eleganz eine Scheibe abschneiden.
Bastille Optic
Photo credit Sebastian Erras

Die Kunst des Sehens

Bastille Optic ist kein Geschäft, das man so einfach übersieht: Die ananasgelbe Fassade und der Schriftzug aus den 1950ern stechen sofort ins Auge. Und auch das Innere ist nicht weniger interessant. Hier findet man coole französische Designerbrillen, einschließlich der hauseigenen Marke „Eva La Java“, neben Vintage-Designern aus aller Welt. Pascale, Managerin und künstlerische Leiterin, sammelte die Brillen bereits seit der Eröffnung ihres Geschäfts im Stadtviertel Bastille im Jahre 1986. Sie nimmt das Motto ihres Optikerladens scheinbar sehr ernst: „Brillen, die die Perspektive erweitern“. An den Wänden hängen Fotos in Großformaten. „In den vergangenen 15 Jahren stellte ich Porträtaufnahmen der Einwohner der Bastille aus: Barmänner, Babysitter, Gärtner, Floristen, Liebespaare, ...“, erzählt sie. Außerdem organisiert Bastille Optic regelmäßig Tanzaufführungen. 2010 rief Pascale das Festival „Bastille Quartier Libre“ ins Leben, bei dem die Arbeiten der freien Künstler und Handwerker des Viertels gezeigt werden. „Nach einem solchen Event kommen manchmal Leute zu mir und sagen: Ich brauche zwar gerade keine neue Brille, aber ich würde Sie trotzdem gern bitten, mir eine anzufertigen“, erzählt sie.
Le Bistrot Saint André
Photo credit Sebastian Erras

Das klassische Bistro

Wenn es ein Symbol gibt, das den Pariser Alltag am besten repräsentiert, dann sind es seine Bistros, denn hier findet das wahre Leben statt. Im Bistrot Saint André im Lateinischen Viertel können Sie traditionell französische Gerichte genießen und die französische Kultur hautnah kennenlernen. Was alle Bistros gemeinsam haben ist eine Theke, an der man auch einfach nur einen Drink nehmen kann. Doch dieses Lokal bietet sogar eine Verbindung zu einem weiteren Pariser Markenzeichen: dem Kino. „Aufgrund seiner Nähe zum Kino „Saint André des Arts“ wählen viele Regisseure dieses Bistrot für ihre Treffen“, erzählt Bernard Hadid, der das Restaurant derzeit führt, das 1992 von einem Freund der Familie gegründet worden war. Zu den Gästen dieses Restaurants zählen die Schauspielerin Monica Bellucci, der Musiker Ait Menguelet, der Journalist Jean Lacouture, der Erfinder Roland Moreno und viele, viele mehr.
Les Degres de Notre Dame
Photo credit Sebastian Erras

Ein Freudenhaus der Kunst

Wenn Sie Künstler sind, ist dieses Hotel die perfekte Unterkunft für Ihren Aufenthalt in Paris, denn hier ist die Kunst zu Hause. Dieses Hotel liegt direkt im Zentrum von Paris und in der Nähe all seiner Kunstschätze. Das Gebäude mit seiner einzigartigen Architektur und den wunderschönen Fresken geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Zwischen 1800 und 1900 war es ein Freudenhaus: Wo heute die Rezeption ist, haben damals die Herren ihre Pferde angebunden. Während sich der damalige Stil in den Fresken der Badezimmer immer noch erkennen lässt, bereitet dieses Haus heute stattdessen Freude durch Kunst. Der Hotelmanager Avijid Gosh nutzt die Lobby als Ausstellungsbereich und Kunstwerkstatt, wo er auch kleine, handgemachte Souvenire verkauft. „Dichter, Maler und Opernsänger haben bereits unsere Gastfreundschaft genossen“, so Avijid. „Wir haben Stammgäste, die uns schon seit 25 Jahren immer wieder besuchen: Vor Kurzem stellte mir einer von ihnen seine Tochter vor, die heute 30 ist und im Alter von fünf Jahren zum ersten Mal bei uns war“, erzählte er.
Cire Trudon
Photo credit Sebastian Erras

Ein Tribut an die Bienen

Am Eingang von Cire Trudon begrüßt Sie ein Wappen mit einem Bienenstock, das Emblem von Louis XV, sowie das Motto „Deo Regique Laborant“ (Für Gott und König arbeiten sie (die Bienen)). Dieses Wappen steht für die lange Tradition der ältesten Kerzen-Manufaktur Frankreichs. Im Jahre 1643 ließ sich der Kaufmann Claude Trudon in Paris nieder und kaufte einen Laden, in dem er Gewürze und Kerzen anbot. Sein Sohn Jacques wurde Apotheker unter Königin Marie Thérèse von Versailles. Nachdem die Familie die royale Wachs-Manufaktur übernommen hatte, wurde sie 1737 mit mehr als 100 Mitarbeitern Lieferant des französischen Hofs unter Louis XV. Beinah zweihundert Jahre später eröffnete das Unternehmen einen Laden in der Nähe von Saint Germain des Pres, wo es seine geistliche Kundschaft mit Kerzen versorgte. Heute beliefert Cire Trudon immer noch dieselben Kunden sowie viele angesehenen Marken weltweit. Die Kerzen von Cire Trudon sind seit jeher bekannt für ihren herrlichen Glanz, der auf ihrer außergewöhnlichen Reinheit beruht. Aufgrund der speziellen Formel des Wachses erzeugen diese Kerzen keinen Rauch und hinterlassen keine Wachsspuren in den in der Toskana von Hand gefertigten Gläsern. Die unterschiedlichen Duftnoten der Kerzen werden in Zusammenarbeit mit renommierten Parfümeuren kreiert. Neben seinem allgemeinen Publikum erhält der Laden von Cire Trudon auch Besuch von Geistlichen, Künstlern und Botschaftsdelegationen.
Bistrot Melac
Photo credit Sebastian Erras

Eine Hommage an Bacchus

Bacchus wird im Bistro Melac gebührend gefeiert. Man sieht ihn in vielen Gemälden und Skulpturen, von denen eine in einer fassförmigen Nische über dem Eingang steht. Doch am stärksten spürt man die Gegenwart des Gottes des Weins in den unzähligen Flaschen, die man in diesem Restaurant probieren kann. Dieses Lokal, das 75 Jahre lang als Weinbar diente, wurde in jüngerer Zeit zu einem Restaurant erweitert, das tief in Aveyron, einer Weinregion in Südfrankreich, verwurzelt ist. Aufgrund seiner Bekanntheit trifft man hier spezielle Gäste wie den ehemaligen Bürgermeister von Paris oder die Schauspieler Jean Dujardin und Kevin Spacey. Darüber hinaus ist das Bistro Melac für seine Erntefeier bekannt, die jedes Jahr vor dem Restaurant stattfindet: Die „Vendanges de Charonne“, benannt nach dem Pariser Stadtteil, in dem das Bistro liegt.
La Dame Blanche
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Oase der klassischen Musik

„Dieses Geschäft ist mein Baby: Es ist mein Leben, eine Vollzeitbeschäftigung“, sagt Régis Page über seinen Laden. Und es ist zweifellos ein sehr anspruchsvolles Baby, denn hier findet man die größte Sammlung klassischer Schallplatten in ganz Frankreich. Mit viel Geduld sammelte Régis einen Schatz von 100.000 Alben (die im Laden und einem Lager in einer Seitenstraße aufbewahrt werden) hauptsächlich durch Ankäufe privater Sammlungen. Damit begann er 1987, als er den Laden übernahm. Zu den Juwelen, die über seine Ladentheke gegangen sind, gehört ein Boxset, das für 2.000 $ verkauft wurde: „Mozart in Paris“, sieben Schallplatten mit allen Werken Mozarts, die er während seiner Aufenthalte in Frankreich komponiert hatte, wiedergegeben im Jahre 1956 von französischen Musikern unter der Leitung von Fernand Oubradous. Der Name des Ladens („Die weiße Dame“) geht auf die typische Anrede der Frau zurück, nach der die Straße benannt ist: Rue Saint Genevieve de la Montaigne, eine wunderschöne Straße im pulsierenden Lateinischen Viertel.
Debauve et Gallais

Ein Tempel des süßen Genusses

„Mein Freund, um den wahren Sinn des Lebens nie aus den Augen zu verlieren, solltest du dir regelmäßig Schokolade von Debauve & Gallais gönnen.“ Diese Worte des Schriftstellers Marcel Proust fassen zusammen, was man fühlt, wenn man sich die Meisterwerke dieses Chocolatiers auf der Zunge zergehen lässt. Im Mai 1800 eröffnete Sulpice Debauve seinen Laden in Saint Germain (gleich neben Bon Marché und Café de Flore) mit den größten Ambitionen. Die Fassade ist geziert durch die Worte „Utile dulci“, ganz nach Horaz' Motto, die Freude mit Nützlichkeit zu vermischen. Wenn Sie in den Laden eintreten, stehen Sie in einem perfekten Halbkreis vor einem langen Tresen, der an den einer Apotheke erinnert - Debauve war früher Apotheker von Beruf. Von den Architekten Napoleons entworfen, gehört diese Chocolaterie als einzige zu den historischen Bauwerken Frankreichs. Napoleon selbst pilgerte in diesen Tempel des süßen Genusses, genauso wie Anatole France, Arthur Rimbaud und Coco Chanel, um nur einige wenige zu nennen. Probieren Sie beispielsweise die mystischen „Pistoles de Marie-Antoinette“, die Debauve in Form von süßen Kapseln gestaltete, um der Königin das Einnehmen ihrer Medikamente angenehmer zu machen. Heute wird der Laden von Bernard Poussin, dem neunten Nachkommen in der Erbfolge, und der jungen Managerin Diane Junique geführt. Gemeinsam machten sie Debauve & Gallais international bekannt und eröffneten weitere Läden in mehreren Ländern.
La Bonne Franquette
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Montmartres Geist

Nicht viele Restaurants können von sich sagen, dass sie schon einmal von einem berühmten Künstler porträtiert worden sind. Doch La Bonne Franquette ist eines davon. Vincent Van Gogh liebte den Garten des Restaurants und malte ihn 1886 in seinem Werk „La Guinguette“, das heute im Musée d'Orsay ausgestellt ist. Dieses in Montmartre gelegene Restaurant war der Treffpunkt einiger der größten Maler des 19. Jahrhunderts: Degas, Cézanne, Toulouse-Lautrec, Pisarro, Sisley, Renoir und Monet. Sie alle ließen sich hier für ein Getränk nieder, nachdem sie die Rue des Saules erklommen hatten. Selbst das Restaurantschild ist ein Kunstwerk an sich. Es wurde von einem Kunsthandwerker angefertigt, der angeblich als letzter noch mit Gold auf Glas malte. Die Familie Fracheboud führt das vierhundert Jahre alte Restaurant bereits seit 1971. Mit dem Ziel, die touristische Ausrichtung des Viertels zu vermeiden, stehen sie für die Qualität ihrer Gerichte und ihres Weines, der immer in Karaffen serviert wird, ein. Außerdem versuchen sie, den Geist des alten Montmartre zu erhalten: Hier können Sie ein für diesen Stadtteil typisches Cabaret genießen, inklusive Cancan.
Norbert Bottier
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Der Duft von Leder und Leim

„Ich wuchst in der Schuhmacherei meines Vaters zwischen Stapeln von Schuhen auf. Und ich bin diesem Duft nach Leder, Farbe, Leim, Harz und Nähgarn treu geblieben“, erzählt Norbert. Als leidenschaftlicher und hingebungsvoller Schuster hat er inzwischen selbst seine eigene treue Anhängerschaft. Im Jahre 1981 rief Norbert sein eigenes Unternehmen ins Leben und 1991 begann der mit dem Verkauf von Schuhen des gehobenen Preissegments. Einige Jahre später entwarf und fertigte er seine eigenen Modelle, die heute für ihre außerordentliche Qualität bekannt sind. „Als Jugendlicher beobachtete ich meinen Vater stundenlang bei der Arbeit an Maschinen, die ein Geheimnis zu bergen schienen“, erinnert er sich. Heute ist er der Hüter dieses Geheimnisses.
Was haben wir erfahren?
Die Schönheit der Stadt Paris liegt nicht nur in ihren beeindruckenden Museen und Monumenten. Hier gibt es alte Handwerkerfamilien und junge Designer, Kulinarik- und Musik-Liebhaber und sogar Optiker und Textilreinigungen mit einzigartigem „Savoir Faire“, das den Pariser Alltag mit Kreativität bereichert. Ihre Werkstätten, Labore und kleine Läden erzählen die Geschichte dieser Stadt auf ganz andere Weise. Nehmen Sie sich bei Ihrem nächsten Besuch in Paris etwas Zeit, um diese Welt zu entdecken: Sie werden es nicht bereuen.
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